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  • 3 Jun 2010 - 20:00
    Series:

    Oljonek

    Rudi Mahall - Bassklarinette
    Olaf Rupp - Elektrogitarre
    Uli Jenneßen - Schlagzeug

    Der Improvisator
    Der frei improvisierende Musiker greift für gewöhnlich auf einen ganz persönlichen, individuell entwickelten musikalischen Wortschatz zurück. Es handelt sich dabei um einzelnen Klänge oder um Kombinationen von Klängen, die man selbst schön findet, gut produzieren kann, und die man stets im Hinterkopf behält, jederzeit abrufbar. Die Freiheit der Improvisation besteht somit oftmals nur aus der freien Wahl des Zeitpunktes, wann
    genau diese Teile des individuellen Vokabulars gespielt werden. Allerdings lastet die Verantwortung für die Entstehung der gesamten zu spielenden Musik auf ihm. Es gibt meist keine musikalischen Formen, die ihm Halt geben und  Verantwortung abnehmen können. Er bewegt sich entblößt im freien Raum.
    Der standard time oder groove spielende Musiker hat normalerweise eine musikalische Form und ein vorgegebenes Tempo zur Verfügung oder zur Bedienung, die ihn einengen, ihm aber gleichzeitig Verantwortung abnehmen. Ein Komponist hat in die Entstehung der Musik eingegriffen.
    Dieser Komponist fehlt bei der frei improvisierten Musik häufig, so dass ausübender Musiker und Komponist ein und dieselbe Person sind.
    Für einige frei improvisierende Musiker gilt jedoch ein erhöhter Anspruch. Ihnen genügt es nicht, ständige Reproduzenten des eigenen Wortschatzes zu bleiben. Sie streben  danach, beim Spielen eine enorm intensive Konzentration zu erreichen, in der neue  Klänge oder Klangzusammenhänge in ihr Bewusstsein treten, die sie so noch nicht erfahren haben.  Man kann dabei  von einem erweiterten Bewusstseinszustand sprechen. Die Klänge kommen dabei sozusagen von oben und fließen durch einen hindurch. Viele sehr gute Musiker kennen diese Momente und streben sie an,in der Erkenntnis, dass dies die für sie größten zu erwartenden beruflichen Augenblicke der Inspiration sind. Es kann auch vorkommen, dass ein Musiker in einer Band sich zurückhält und auf altbekanntes zurückgreift, wenn er merkt, dass ein Kollege gerade inspiriert ist, um diesen zu unterstützen und ihm Raum zu geben.
    Diese göttlichen Momente kann allerdings der über Form und Time improvisierende Jazzmusiker ebenfalls erfahren, oftmals jedoch nicht mit der grenzenlosen Auswahl an Klängen, die der freie Improvisator spielen darf.
    Es wird neuerdings behauptet, wirklich freie Improvisation gebe es gar nicht, da immer auf bereits eingespeichertes und also unfreies musikalisches Material zurückgegriffen werde. Ich möchte hier jedoch argumentieren, daß wirklich freie Improvisation existiert, und daß sie eben in dem Zustande enorm erhöhter Konzentration entsteht, wenn die Quelle der wirklich neuen Klänge oder Klangzusammenhänge angezapft wird. Je höher die Konzentration-Einengung,desto freier die Musik. Das ist kein Widerspruch und verdeutlicht auch die Ernsthaftigkeit des Unternehmens, dessen sich der wahre  Künstler hingibt.Rudi Mahall, Olaf Rupp und ich zählen aufgrund unseres Selbstverständnisses - bei angemessener Bescheidenheit - zu der Art von Musikern, die nicht nur auf ihr bisher angesammeltes Vokabular zurückgreifen wollen, sondern die jederzeit bereit sind, gleichsam wie mit einem Raumschiff in neue klangliche Welten vorzudringen. Unsere ersten Konzerte fanden ja auch im „Raumschiff Zitrone“ im Berliner Prenzlauer Berg statt. Der Name „Oljonek“ (großer Flusss in Mittelsibirien) bezieht sich gleichsam auf denFlussß der Kreativität der Musiker, allerdings mit einer leicht düsteren Färbung, aufgrund der eigenen Negativität und inneren Spannungen, denen sich jeder Mensch ausgesetzt sieht, deren Verarbeitung und Ausdruck jedoch dem Improvisator zum Broterwerb gereichen. Wohl bekomm's!

    Uli Jenneßen, Oktober 2009
     

    Super Seaweed Sex Scandal

    SSSS (Super Seaweed Sex Scandal) creates a fast changing kaleidoscopic music that blends freeform improvisation with intricate compositional structures. Formed in June 2009 by six young New York musicians who first met at the scene surrounding the legendary East Village venue The Stone, this is the premier outfit featuring the youngest generation of New York's burgeoning Downtown scene. The players, still in their early twenties, hail from such diverse backgrounds as punk, noise, jazz, no-wave, classical and improvisation, and from such diverse places as Florida, Oregon, North Carolina, Colorado, New York and Hokkaido, Japan. Extending a lineage of hardcore jazz/noise/rock ferocity running from John Zorn and Ornette Coleman to Gyorgy Ligeti and The Ex, their music jump cuts from screeching saxophones and intense noise guitar to lyrical melodies and driving rhythms with lightning speed.

    SSSS (Super Seaweed Sex Scandal) spielt eine sich schnell ändernde, kadaleidoskopische Musik, die freie Improvisation mit komplizierten komponierten Strukturen mischt. Dieses im Juni 2009 von sechs jungen Musikern aus der Szene rund um den berühmten Club in East Village gegründete Bandprojekt ist ist eines der neuesten Formen der aufblühenden Szene in Downtown New York. Die Musiker, alle in ihren Zwanzigern, kommen aus solch verschiedenen musikalischen Hintergründen wie Punk, Noise, Jazz, No-Wave, klassische Musik und Improvisation und aus so verschiedenen Orten wie Florida, Oregon, North Carolina, Colorado, New York und Hokkaido in Japan. Die Musik springt in harten Schnitten von kreischenden Saxophonen und intensiven Gitarrennoises zu lyrischen Melodien und treibenden, blitzschnellen Rhythmen und vervollständigt so die Linie der Jazz/Noise/Rock-Wildheit, die von John Zorn und Ornette Coleman zu Gyorgy Ligeti und The Ex läuft.

    Participating Artists: